Lap Sealing - Schutz vor Eisschub

Lap Sealing - Schutz vor Eisschub

Zusätzlicher Kantenschutz für EPDM Naht- und Detailabdichtungen

Lap Sealing:
Schutz bei stehendem Wasser und Eisschub

Überall dort, wo auf einer Dachfläche stehendes Wasser auftreten kann, empfehlen wir die zusätzliche Versiegelung freiliegender Nahtbereiche. Das betrifft insbesondere Entwässerungsbereiche mit Gullys sowie Detailabdichtungen an Dachrändern und Attiken, die mit Form- & Nahtabdeckband ausgeführt wurden.

EPDM Dachbahn Lap Sealing Gullyabdichtung Form- & Nahtabdeckband
1. Zusätzlicher Schutz freiliegender Kanten

Was versteht man unter Lap Sealing?

Beim Lap Sealing wird die freiliegende Kante einer fertiggestellten EPDM Naht- oder Detailabdichtung zusätzlich mit einem geeigneten Dicht- oder Anschlussklebstoff versiegelt. Das Material wird entlang der Kante aufgetragen und anschließend so abgezogen, dass ein gleichmäßiger, abgeschrägter Übergang zur angrenzenden EPDM Folie entsteht.

Die Nahtversiegelung kann sowohl an überlappenden EPDM Nahtverbindungen als auch an den freiliegenden Kanten von Form- & Nahtabdeckband, Garantie-Gullys, etc. ausgeführt werden. Relevant ist dies insbesondere dann, wenn sich die betreffende Kante in einem Bereich befindet, in dem Wasser zeitweise oder dauerhaft stehen bleiben kann.

Grundsätzliche Empfehlung: Wir empfehlen Lap Sealing an allen freiliegenden Nahtbereichen, an denen stehendes Wasser auftreten kann. Entscheidend ist die Wasserbelastung des Bereichs und nicht allein die Art des jeweiligen Details.
2. Wasser, Frost und Eisschub

Warum ist Lap Sealing bei stehendem Wasser sinnvoll?

Bleibt Wasser auf einer EPDM Dachfläche an Nahtbereichen wiederholt oder dauerhaft stehen, kann es bei niedrigen Temperaturen gefrieren und eine zusammenhängende Eisfläche bilden.

Durch Temperaturwechsel kann sich diese Eisfläche ausdehnen, zusammenziehen oder auf der Dachfläche bewegen. Diese mechanische Beanspruchung wird als Eisschub bezeichnet. Besonders freiliegende Kanten und Übergänge können dadurch zusätzlichen Scher-, Druck- und Ablösekräften ausgesetzt werden.

Wir empfehlen die Ausführung überall dort, wo stehendes Wasser auftreten kann. Dies gilt besonders für Entwässerungsbereiche. Dazu gehören Gullys und Abläufe innerhalb der Dachfläche ebenso wie seitliche Entwässerungen am Dachrand. Zusätzlich sollten freiliegende Kanten von Form- & Nahtabdeckband an wasserbelasteten Dachrand-, Attika- und Detailanschlüssen berücksichtigt werden.
Später sichtbare Auswirkungen von Eisschub an einem Garantie-Seitenablauf einer EPDM Dachabdichtung Praxisbeispiel: Eisschub

Auswirkungen von Eisschub an einem Entwässerungsdetail

Das Foto zeigt beispielhaft die Auswirkungen von Eisschub an einem Garantie-Seitenablauf in der Attika. 

Die Folgen dieser wiederkehrenden Beanspruchung sind häufig nicht sofort erkennbar. Sie können sich erst nach mehreren Jahren zeigen. 

Gefrierendes Wasser

Belastung freiliegender Kanten

Gefriert Wasser unmittelbar an einer Naht- oder Formteilkante, wirkt die entstehende Eisbildung direkt auf den Übergang zwischen den einzelnen Materiallagen ein.

Eisschub

Wiederkehrende mechanische Beanspruchung

Durch wiederholtes Gefrieren, Auftauen und erneutes Gefrieren können sich Eisflächen bewegen. Die daraus entstehende Beanspruchung kann sich über viele Jahre hinweg wiederholen.

 Die freiliegende Kante erhält durch die Versiegelung einen zusätzlichen elastischen Schutz.
Die abgeschrägte Versiegelung reduziert direkte Angriffspunkte für Eisbewegungen.
Mechanische Kräfte wirken weniger unmittelbar auf die offenen Nahtbereiche ein. 
Der Übergang wird gleichmäßiger und weniger angreifbar ausgeführt.
3. Langfristige Beanspruchung

Warum werden Auswirkungen häufig erst Jahre später sichtbar?

Eisschub ist in der Regel keine einmalige Belastung. Die wasserbelasteten Bereiche eines Flachdaches können über viele Winter hinweg wiederholt gefrieren und auftauen. Jede einzelne Bewegung einer Eisfläche kann dabei Kräfte auf vorhandene Kanten und Anschlüsse übertragen.

Anfangs muss diese Beanspruchung nicht sichtbar sein. Erst durch die wiederholte Einwirkung über einen längeren Zeitraum können sich Veränderungen an freiliegenden Nahtbereichen entwickeln.

Wichtig für die Beurteilung: Eine unmittelbar nach der Verarbeitung einwandfrei aussehende Detailabdichtung schließt eine spätere Beanspruchung durch stehendes und gefrierendes Wasser nicht aus. Die zusätzliche Versiegelung ist deshalb eine vorbeugende Maßnahme für langfristig beanspruchte Bereiche.
4. Empfohlene Einsatzbereiche

Wo sollte Lap Sealing ausgeführt werden?

Maßgeblich ist immer die Frage, ob sich an einer Verbindungsstelle Wasser sammeln kann. Wir empfehlen die zusätzliche Versiegelung auch dann, wenn stehendes Wasser nur zeitweise nach Niederschlägen auftritt.

Gullys und Dachabläufe

Entwässerung innerhalb der Dachfläche

Gullys und andere Abläufe liegen in den Tiefpunkten der Dachfläche. Da sich hier Wasser sammelt, sollten freiliegende Kanten der Gullyabdichtung sowie angrenzende Naht- und Formteilkanten zusätzlich versiegelt werden.

Seitliche Entwässerung

Abläufe am Dachrand

Auch bei Entwässerungen am Dachrand kann sich vor dem Ablauf Wasser sammeln. Die Kanten der EPDM Detailabdichtung sollten in diesen Bereichen durch ein zusätzliches Lap Sealing geschützt werden.

Dachrand und Attika

Details mit Form- & Nahtabdeckband

Werden Dachrand-, Attika- oder Eckdetails mit Form- & Nahtabdeckband ausgeführt, empfehlen wir die zusätzliche Versiegelung der freiliegenden Bandkanten, sofern dort stehendes Wasser auftreten kann.

Weitere Detailbereiche

Durchdringungen, Ecken und Übergänge

Auch an Durchdringungen, Innen- und Außenecken sowie Übergängen können wasserbelastete Formteilkanten entstehen. Diese Bereiche sollten geprüft und bei möglichem stehendem Wasser zusätzlich versiegelt werden.

Entscheidend: Die Empfehlung beschränkt sich nicht auf Gullys oder eine bestimmte Art der Entwässerung. Lap Sealing sollte überall dort berücksichtigt werden, wo freiliegende Nähte mit stehendem Wasser in Kontakt kommen können.
5. Verarbeitung in zwei Schritten

Lap Sealing an einer EPDM Kante ausführen

Die nachfolgenden Bilder zeigen die zusätzliche Versiegelung einer fertiggestellten EPDM Kante im System DACHPROTECT mit dem Flächen- & Anschlusskleber FLEX. Vor der Verarbeitung muss die Naht- oder Detailabdichtung vollständig hergestellt, sauber, trocken und frei von Verunreinigungen sein.

Flächen- und Anschlusskleber FLEX wird zur Versiegelung einer EPDM Kante aufgetragen Schritt 1

Flächen- & Anschlusskleber FLEX auftragen

Den Flächen- & Anschlusskleber FLEX gleichmäßig und ohne Unterbrechungen entlang der freiliegenden Kante auftragen. Dabei muss ausreichend Material vorhanden sein, damit die Materialkante vollständig erfasst wird.

Flächen- und Anschlusskleber FLEX wird an einer EPDM Kante gleichmäßig abgezogen Schritt 2

Versiegelung gleichmäßig abziehen

Den aufgetragenen Flächen- & Anschlusskleber gleichmäßig abziehen, sodass ein sauberer und abgeschrägter Übergang entsteht. Eine anschließende Glättung mit Glättmittel ist bei dieser Ausführung nicht zwingend notwendig.

6. Verarbeitungshinweise

Darauf ist beim Lap Sealing zu achten

1

Abdichtung vollständig herstellen

Die eigentliche EPDM Naht- oder Detailabdichtung muss vor dem Lap Sealing vollständig und fachgerecht ausgeführt sein.

2

Oberfläche kontrollieren

Der Untergrund muss sauber, trocken und frei von Staub, Feuchtigkeit, Öl und anderen trennenden Stoffen sein.

3

Kante vollständig erfassen

Der Flächen- & Anschlusskleber muss die freiliegende Naht- oder Formteilkante sowie die angrenzenden Flächen ausreichend überdecken.

4

Abgeschrägt abziehen

Die Versiegelung sollte gleichmäßig und flach auslaufend ausgeführt werden, damit keine unnötigen Materialwülste oder neuen Angriffspunkte entstehen.

Systemgebundene Verarbeitung: Verwendete Produkte, Untergrundvorbereitung, Verarbeitungstemperaturen und Trocknungszeiten müssen zum System DACHPROTECT passen. Die gültigen technischen Datenblätter und Verarbeitungsrichtlinien sind zu beachten.
7. Regelmäßige Dachkontrolle

Warum eine jährliche Kontrolle der Dachfläche wichtig ist

Wie bei jedem Flachdach empfehlen wir auch bei einer EPDM Dachabdichtung eine regelmäßige Kontrolle der gesamten Dachfläche. Diese sollte mindestens einmal jährlich erfolgen.

Da sich die Auswirkungen von wiederkehrendem Eisschub häufig erst nach mehreren Jahren zeigen, können regelmäßige Sichtkontrollen helfen, Veränderungen an Nahtbereichen frühzeitig zu erkennen.

Dachfläche und Details

Naht- und Anschlussbereiche kontrollieren

Kontrolliert werden sollten insbesondere freiliegende Nahtbereiche &  Detailabdichtungen.

Entwässerung

Gullys und Abläufe jährlich prüfen

Dachabläufe, Gullys, seitliche Entwässerungen und weitere Entwässerungspunkte sollten mindestens einmal jährlich kontrolliert und von Laub, Schmutz und anderen Ablagerungen befreit werden.

Gullys, Dachabläufe und seitliche Entwässerungen auf freien Wasserabfluss prüfen.
Laub, Pflanzenreste, Schmutz und andere Ablagerungen entfernen.
Bereiche mit auffällig lange stehendem Wasser kontrollieren.
Freiliegende Kanten von Form- & Nahtabdeckband auf Veränderungen prüfen.
 Vorhandene Lap Sealing-Bereiche auf einen geschlossenen und gleichmäßigen Verlauf kontrollieren.
Wartungsempfehlung: Eine jährliche Kontrolle gehört zur regelmäßigen Wartung eines Flachdaches. Dabei sollten nicht nur die EPDM Dachfläche und ihre Detailabdichtungen, sondern insbesondere auch alle Entwässerungseinrichtungen überprüft und gereinigt werden.
8. Zusammenfassung

Zusätzlicher Kantenschutz in wasserbelasteten Bereichen

Eine fachgerecht hergestellte EPDM Naht- oder Detailabdichtung ist bereits dauerhaft und wasserdicht ausgeführt. Das Lap Sealing ergänzt diese Verbindung um einen zusätzlichen Schutz der freiliegenden Materialkante.

Wir empfehlen diese Maßnahme grundsätzlich in allen Bereichen, in denen stehendes Wasser auftreten kann. Besonders wichtig ist sie an Entwässerungspunkten mit Gullys oder seitlichen Abläufen sowie an wasserbelasteten Detailabdichtungen an Dachrändern und Attiken.

Bei Details mit Form- & Nahtabdeckband werden die freiliegenden Nähte zusätzlich versiegelt. Die abgeschrägte Ausführung reduziert direkte Angriffspunkte und schützt die Kanten vor langfristigen mechanischen Einwirkungen durch Eisbildung und Eisschub.

Kurz zusammengefasst: Lap Sealing ist keine Reparatur einer fehlerhaften Abdichtung, sondern eine vorbeugende Schutzmaßnahme. Unsere Empfehlung gilt für alle fachgerecht ausgeführten Naht-, Formteil- und Anschlusskanten, an denen stehendes Wasser auftreten kann. Ergänzend sollte die gesamte Dachfläche einschließlich der Entwässerung mindestens einmal jährlich kontrolliert werden.
FAQ

Häufige Fragen zum Lap Sealing bei EPDM

Wo wird Lap Sealing empfohlen?

Wir empfehlen Lap Sealing an allen freiliegenden Nahtbereichen, die sich in Bereichen mit möglichem stehendem Wasser befinden.

Ist Lap Sealing an Gullys sinnvoll?

Ja. Gullys und andere Dachabläufe liegen an den Tiefpunkten der Dachfläche. Da sich dort Wasser sammeln und im Winter Eis bilden kann, sollten freiliegende Kanten des Gullys zusätzlich versiegelt werden.

Wird Lap Sealing auch an Dachrändern empfohlen?

Ja, sofern an der betreffenden Detailabdichtung stehendes Wasser auftreten kann. Dies betrifft insbesondere freiliegende Kanten von Form- & Nahtabdeckband an Dachrand-, Attika- und Eckdetails.

Wann werden Auswirkungen von Eisschub sichtbar?

Die Auswirkungen müssen nicht unmittelbar erkennbar sein. Wiederkehrende Beanspruchungen durch gefrierendes und auftauendes Wasser können sich erst nach mehreren Jahren zeigen.

Wie häufig sollte ein Flachdach kontrolliert werden?

Wir empfehlen eine Kontrolle der Dachfläche mindestens einmal jährlich. Dabei sollten insbesondere Entwässerungen, Gullys, seitliche Abläufe, Nahtbereiche und Detailabdichtungen geprüft werden.

Warum müssen Entwässerungen regelmäßig gereinigt werden?

Laub, Schmutz und andere Ablagerungen können den Wasserabfluss beeinträchtigen. Dadurch kann Wasser länger auf der Dachfläche stehen und im Winter größere Eisflächen bilden.

Ersetzt Lap Sealing die eigentliche EPDM Abdichtung?

Nein. Die Naht- oder Detailabdichtung muss zuvor vollständig und fachgerecht mit den vorgesehenen Systemkomponenten hergestellt werden. Lap Sealing ist eine zusätzliche Schutzmaßnahme.

Kann Lap Sealing fehlendes Dachgefälle ausgleichen?

Nein. Lap Sealing schützt freiliegende Kanten, ersetzt aber keine funktionierende Dachentwässerung und keine fachgerechte Planung des Dachgefälles.